Gedanken zur Himmelfahrt

von agnus d.  /  anno domini  2001 /  aktualisiert juni  2020

 

 

Wir sind es gewohnt beim Denken immer auch Bilder zu Hilfe zu nehmen, um uns etwas zu verdeutlichen oder besser verstaendlich zu machen. Nur abstrakt zu denken, das gelingt uns meistens nur in der Mathematik, oder in artverwandten Faechern, bzw. entsprechenden Aufgabenstellungen. Jedoch selbst Mathematiker oder aber auch Gedaechtniskuenstler greifen auf bildhafte Vorstellungen zurueck, wenn es darum geht, einen Bezug des Abstrakten zum Realen herzustellen. Denn das Abstrakte ist ja niemals Selbstzweck, sondern steht im Dienst von Wahrheit und Wirklichkeit. Und die sind - wie wir aus unserer unmittelbaren Erfahrung wissen - bildhaft materiell. Auch wenn dahinter abstrakte Ordnungs- und Funktionsprinzipien stecken, nach denen die Dinge so ablaufen muessen wie sie stattfinden. 

 

Wir haben es zunaechst immer mit der dinglich anschaulichen Welt zu tun, woraus wir alsdann auch unser Weltbild formen. Jedoch bei all der sich staendig steigernden Reizueberflutung an Bildern und Eindruecken, gelingt es uns bestaendig immer weniger das Wichtige und Wesentliche vom Unwichtigen und Unwesentlichen zu unterscheiden und abzusondern, und den Sinn des Wahrgenommenen erkennen zu koennen.

 

Es sind darum ganz bestimmte bildhafte Vorstellungen, die in uns hochkommen, wenn wir an die Ereignisse um das Jahr 30 im damaligen Israel denken. Frueher waren es da die Gemaelde bekannter Meister. Heutzutage sind es die spektakulaeren Kino- oder Fernsehfilme genialer Filmregisseure. Kindlich und laengst ueberholt muten uns die mangelhaften Vorstellungen vom lieben Gott an, als eines alten und weissbaertigen Greises, wie sie zum Beispiel auf  mittelalterlichen Dreifaltigkeitsbildern zu sehen sind. Dort versuchte man Gott Vater vom Gott Sohn durch sichtbaren Altersunterschied unterscheidbar zu machen. Das Bild, welches man sich von Jesus zu machen versuchte, war in froemmlerischer Weise stark verzerrt worden.

 

Vielen modernen Menschen erscheinen die christlichen Glaubensaussagen ueber die anscheinend so abwegig weltfremden Ereignisse wie Auferstehung und Himmelfahrt als absolut unnachvollziehbar verrueckt. Solche Dinge passen da einfach nicht in ihr altgewohnt materielles Weltbild, und liegen wenn ueberhaupt dann auch noch circa 2000 Jahre zurueck. Doch sollten alle Skeptiker und Zweifler bedenken, dass saemtliche bildlichen Darstellungen, zu welcher Zeit und von wem auch immer, das im wesentlichen Unbegreifbare - und deswegen auch Unabbildbare - eben nicht verbildlichen koennen. Gleich welche Versuche man unternimmt, den an sich unfasslichen Vorgang in irgend ein Klischee zu giessen oder in eine Form zu bringen, sie muessen scheitern. Denn alles was rein geistig vor sich geht, entzieht sich jeglicher Abbildbarkeit. Ungegenstaendliches laesst sich gegenstaendlich nicht darstellen, so dass derart untaugliche Versuche ein Ausdruck von naiver Hilflosigkeit sein muessen, und das Wesentliche verfehlen.

 

Was ist nun das Wesentliche? Die Antwort geben uns die christlichen Urgemeinden. Sie glaubten felsenfest, dass Gott der Herr in Jesus von Nazareth persoenlich anwesend gewesen war. Und dass sein Tod am Kreuz dem Triumph des Lebens ueber den Tod diente, zur Ehre des Herrn, dem allmaechtigen Gott und ewig Lebendigen. Auch waren sie der zweifelsfreien Ueberzeugung, dass der Weltabschied des leibhaft Auferstandenen nach 40 Tagen in Form der so genannten Himmelfahrt, in einer unvorstellbaren Weise geschah, die zu allen Zeiten mit den Mitteln bildlicher Darstellung immer nur ein blosses Symbol sein kann.

 

Die Zeugen Jesu und insbesondere des Auferstandenen waren niemals so ahnungslos, dass sie Unerklaerbares nicht vom Erklaerbaren unterscheiden konnten. Sie wussten da vielmehr aus eigener Erfahrung sehr genau, was die Naturordnung war. Und demzufolge beschrieben sie jenes, was sie erlebten, deutlich als von den Kategorien dieser Naturordnung nicht mehr fassbar. Jedoch hatten sie es erlebt, und dieses Erlebnis hatte auf ihr Leben umwaelzenden Einfluss. Fuer uns allerdings ist es voellig unerheblich, ob und wie wir uns die "Himmelfahrt" vorzustellen vermoegen. Worauf es ankommt, das ist einzig und allein ein wagendes Glaubensbekenntnis. Also, dass Jesus Christus als letzter biblischer Prophet, Gottesgesandter, Wundertaeter und Gekreuzigter, vom ewigen Herrn zu dessen Ehre und Glaubwuerdigkeit aus dem Tod in das Leben zurueckgeholt wurde. Und nicht nur einfach wie bei Lazarus zurueck in diese zeitliche Welt, sondern aus dieser Welt heraus in die Transzendenz des unzugaenglichen Lichtes beim Vater. Dereinst am Ende der Zeit wird er aber zu seiner Zeit an seinem Ort in seiner geschichtlichen Wirklichkeit in das antike Israel zu ewiger Herrschaft wiederkehren. Ganz so, wie er es nach seiner Auferstehung den Juengern verkuendet hatte.

 

Von dort schickte er an Pfingsten seinen Heiligen Geist ueber die Urgemeinde, damit wir begreifen, dass er der Anbetungswuerdige in Herrlichkeit ist, vor dem alle in die Knie zu gehen haben. Denn er lenkt die Geschicke der Welt, bei uns seiend bis eben zum letzten Tag von Zeit und Welt. Nur wenn uns das bewusst ist, und wenn wir uns darauf einstellen, bekommen wir eine ungefaehre Ahnung was Himmelfahrt heisst. Denn ueber die Teilhabe aller Glaubenden am Leib Christi erhalten wir auch Anteil an seiner Himmelfahrt, die aus weltlicher Sicht  fuer ihn nur noch Vergangenheit ist, doch fuer uns noch jede Vorstellungskraft uebersteigende Zukunft.. 

 

 

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